Geschäftsbericht 2025

Konzernlagebericht

Informationstechnologie (IT)

IT-Strategie

Der Volkswagen Konzern verfolgt das Zielbild „The Global Automotive Tech Driver“. Die IT spielt dabei eine immer wichtigere Rolle – sowohl im Fahrzeug als auch innerhalb des Unternehmens sowie bei der Erschließung neuer Geschäftsmodelle.

Digitalisierte Lieferketten, automatisierte und KI-optimierte Prozesse in allen Geschäftsbereichen des Unternehmens, ein datengesteuertes Management der Nachhaltigkeitsziele und ein nahtloses Zusammenspiel aus analogem und digitalem Kundenerlebnis sind Elemente dieser Transformation.

Der Geschäftsbereich „IT“ des Vorstands hat mit Global IT++ eine Strategie für die konzernweite IT entwickelt. Sie folgt der Vision „ONE strong global Network“ und soll eine klare und synchrone Ausrichtung, die weltweite Vernetzung und den Wissensaustausch sowie die gemeinsame Umsetzung der IT-Strategien aller Marken und Regionen sicherstellen. Ziel ist die marken- und regionsübergreifend standardisierte und damit sinnvoll gebündelte Bereitstellung von IT-Infrastrukturen, IT-Services und IT-Lösungen. Das dient dazu, Kosten zu senken, Effizienzen auszunutzen und weiteres Synergiepotenzial zu heben. Differenzierungen und individuelle Lösungen finden nur dort statt, wo sie konkreten Notwendigkeiten folgen oder regulatorische Vorgaben dies verlangen.

Zieldimensionen sind: der klare Wertbeitrag für die Fachbereiche, ein aktiver Beitrag zur konsequenten Digitalisierung des Unternehmens, eine hohe Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit in der Umsetzung sowie Kosteneffizienz. Um diese Ziele zu erreichen, wurden langfristige IT-Imperative definiert. Diese fokussieren sich auf beispielsweise die Transformation zu einem daten- und KI-getriebenen Unternehmen, die Umsetzung durchgängiger Infrastrukturplattformen über Marken und Regionen hinweg, die Umsetzung einer globalen, digitalen Produktlandschaft durch ein marken- und regionsübergreifendes Zusammenarbeitsmodell auf Basis komplementärer Fähigkeiten sowie operationale Exzellenz bei der Umsetzung. Den Umsetzungsstand zielgerichteter Maßnahmen verfolgen wir durch das jährliche Global IT TOP-10-Programm in agiler Arbeitsweise in Halbjahres-Sprints mit dem Fokus auf Geschäftsnutzen und Geschwindigkeit im One Strong Global Network. Dieses IT-Netzwerk der Konzernstellen, Marken, Regionen und Partnerfirmen steht für eine pragmatische, markenübergreifende Zusammenarbeit, transparente Kommunikation und regelmäßigen Dialog zum effizienten, weltweiten Personaleinsatz und der Vermeidung von Doppelarbeiten durch Synergien.

Das Global IT TOP-10-Programm schafft durch Maßnahmen zur optimierten Datenverfügbarkeit die Basis für moderne KI-Anwendungen und damit das Potenzial für unternehmensweite Effizienzen. Eine konsequente Modularisierung und der globale Roll Out großer IT–Programme unterstützt die Bereitstellung zukunftsfähiger IT-Lösungen und treibt damit die Digitalisierung aller Geschäftsbereiche lokal sowie weltweit voran, zum Beispiel durch die IT China Strategie. Die Einführung der agilen Produktorganisation soll die Geschwindigkeit bei der Entwicklung und Bereitstellung digitaler Produkte erhöhen. Hierbei arbeiten IT und Geschäftsbereiche in funktionsübergreifenden Teams in kurzen Entwicklungszyklen gemeinsam an neuen digitalen Produkten. Mit der fachlichen Anbindung der Chief Information Officers (CIOs) der Markengruppen Core, Progressive, Sport Luxury und der Volkswagen Financial Services AG an den Geschäftsbereich „IT“ des Vorstands soll eine einheitliche strategische Ausrichtung sichergestellt werden. Darüber hinaus erleichtert diese fachlich-organisatorische Anbindung die Realisierung von Synergien und weiteren Skaleneffekten. Die systematische Identifizierung und das konzernweite Teilen von erfolgreich umgesetzten Projekten in Marken und Gesellschaften (Best Practices) soll einen effektiven Wissenstransfer innerhalb des Unternehmens gewährleisten, für mehr Tempo und Synergien sorgen und damit auch den Mittelbedarf senken.

Im Bereich der IT-Infrastruktur liegt der Fokus auf dem weiteren Ausbau und der Optimierung der Zusammenarbeit zwischen den Konzernstellen und den Marken. Dieser Kurs wird konsequent weiterverfolgt. Die Konzern-IT strukturiert sich dazu global einheitlich entlang von fünf Betriebsplattformen beziehungsweise -domänen (Cloud, Mainframe, High Performance Computing, On Premise, Digital Workplace (DWP)) sowie den crossfunktionalen Services, die marken- und regionsübergreifend genutzt werden. Dabei verbinden wir unsere gemeinschaftlichen Ressourcen in den Marken und Regionen sowie den internationalen Gesellschaften der Global IT, zum Beispiel in Indien. Besonders deutlich wurden die Vorteile der globalen Zusammenarbeit 2025 anhand der Plattform DWP.

Software-Entwicklung

Der Geschäftsbereich „IT“ des Vorstands verantwortet die schnelle und bedarfsgerechte Entwicklung und Einführung von Software- und IT-Lösungen für den Konzern. Die Umsetzung erfolgt unter anderem in den weltweiten Software Development Centern (SDC). Das strategische Ziel besteht darin, den Anteil der Eigenleistungen in Softwareprodukten für kritische Geschäftsprozesse (zum Beispiel die Technische Entwicklung) zu sichern und sukzessive auszuweiten. Dafür sollen vor allem der konsequente Ausbau der internationalen IT-Tochtergesellschaften und neue Kooperationsmodelle mit ausgewählten Partnern sorgen. So wird dem weiterhin steigenden Softwareentwicklungsbedarf im Volkswagen Konzern Rechnung getragen. Die schrittweise Erhöhung der Eigenleistungen soll insbesondere eine stärkere Governance und die effizientere Steuerung und Kostenkontrolle von Lieferanten sicherstellen.

Weiterhin stehen die Prozessoptimierung und Definition von Standards für die Softwareentwicklung im Vordergrund. Dies implizieren unter anderem die internationale und datengetriebene Steuerung der Aktivitäten in den SDC, die strategische Ausrichtung der geschäftskritischen Unternehmenssysteme sowie die Sicherung des geistigen Eigentums in Form des Quellcodes von Softwareprodukten. Darüber hinaus ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) im Zusammenhang mit der Softwareentwicklung ein Kernbestandteil des Aufgabenbereichs des SDC.

Nutzung von Digitalisierung und KI

Der digitale Wandel wird durch den Vorstand stetig begleitet und unterstützt. Der Konzernvorstandsausschuss Digitale Transformation befasst sich mit der marken- und geschäftsbereichsübergreifenden digitalen Transformation der Unternehmensprozesse. Das Gremium steuert das IT-Projektportfolio, fördert den digitalen Kulturwandel sowie Innovationen und Synergien zwischen den Konzernstellen und den Marken. Damit ist er die höchste Entscheidungsinstanz und Richtungsgeber in der digitalen Transformation des Konzerns.

Im Geschäftsjahr 2025 wurde die großflächige Einbringung von Anwendungen mit KI in zahlreiche Unternehmensprozesse weiter vorangetrieben. Die Anwendungsbreite von KI im Volkswagen Konzern ist groß. Angestrebt werden konkrete monetäre Einsparungen (zum Beispiel die Reduktion von Prozessdurchlaufzeiten durch Effizienzsteigerungen wie die Beschleunigung des Produktentwicklungsprozesses), konkrete Verbesserungen der Produktqualität und damit verbundene mittelbare Kosteneinsparungen (zum Beispiel verbesserte Qualitätsprozesse und damit auch eine Reduktion von Kulanz- und Gewährleistungskosten sowie dadurch überflüssig werdende Beauftragungen mit beispielsweise Übersetzungs- und Rechtsverteidigungskosten) sowie ergonomische Vorteile für Beschäftigte durch eine unterstützte Bedienung von Systemen.

KI entfaltet ihren Wert im Konzern nur dort, wo sie messbaren Nutzen bringt – sei es durch Effizienzgewinne, Qualitätssteigerung oder neue geschäftliche Potenziale. Entscheidungen über ihren Einsatz folgen daher dem klaren Prinzip der wirtschaftlichen Relevanz.

Die konzernweite Daten- und KI-Strategie („Group Data & AI Strategy“) bildet das strategische Fundament für den skalierbaren und verantwortungsvollen Einsatz von KI. Ihr Ziel ist es, datengetriebene Innovationen systematisch voranzutreiben und den geschäftlichen Mehrwert von Data- und KI-Anwendungen konzernweit zu realisieren. Die Umsetzung findet sich über das Handlungsfeld Data & AI auch im Konzern-TOP10-Programm wieder.

Ein Anwendungsbeispiel ist der Lastenheftassistent, ein KI-gestütztes Tool zur Erstellung technischer Leistungsbeschreibungen. Es unterstützt Fachbereiche bei der präzisen und strukturierten Formulierung von Anforderungen für Entwicklungsdienstleistungen. Durch die Integration generativer KI werden Eingaben verfeinert und automatisch gegen Qualitätsrichtlinien geprüft. Dies reduziert den Erstellungsaufwand und minimiert Fehlerquellen, was zu höherer Qualität und geringeren Änderungsbedarfen führt.

Im Bereich After Sales zeigt der Anwendungsfall Scorpion, wie datengetriebene Lösungen die Geschäftsleistung nachhaltig steigern können. Scorpion analysiert Verkaufs- und Werkstattdaten über alle Ebenen hinweg – von der Unternehmenszentrale über Importeure bis zu Händlern. In über 23 Märkten weltweit (inklusive China, USA, Japan, Brasilien) ist das System bereits im Einsatz. Es ermöglicht gezielte Kundenansprache, optimiert Werkstattbesuche und steigert den Umsatz durch intelligente Kampagnensteuerung. Die Ergebnisse zeigen signifikante Umsatz- und Gewinnsteigerungen im After Sales-Bereich.

Ein zukunftsweisender Ansatz ist auch die Entwicklung des Large Shape Model (LSM) – ein generatives KI-Modell für 3D-Daten. LSM ermöglicht die automatisierte Erstellung und Bearbeitung von 3D-Objekten aus Bildern, Texten oder Skizzen in Sekunden. Die Technologie wird konzernweit als zentrale Plattform („LSMaaS“) bereitgestellt und unterstützt zahlreiche Anwendungsfälle in Design, Engineering, Produktion und Marketing.

Ein weiterer wesentlicher Erfolgsfaktor von KI im Unternehmen sind konzernweite Informations- und Qualifizierungsmaßnahmen, die gezielte Schulungsformate für unterschiedliche Jobprofile und Kompetenzniveaus bereitstellen. Ergänzend fördern spezifische Veranstaltungsformate für Fachgruppen und interne Expertinnen und Experten den marken- und domänenübergreifenden Wissenstransfer zu Daten- und KI-Themen innerhalb des Volkswagen Konzerns. Der Group Skill Hub ist beispielsweise ein internes System zur kontinuierlichen Überprüfung, Anpassung und Erweiterung rollenbasierter Fähigkeiten, einschließlich der Anwendung von KI-Technologien im beruflichen Kontext.

Der systematische und verantwortungsvolle Einsatz von KI erfordert zudem ein effizientes Datenmanagement. Das Expertenteam Group Data & AI Platforms & Enablers gestaltet gemeinsam mit der Group Data & AI Governance den kulturellen und technologischen Wandel hin zu einer zukunftsfähigen Datenarchitektur. Ziel ist die gezielte (Wieder-) Verwendbarkeit von Daten zur durchgängigen Integration von KI in die Ende-zu-Ende-Prozesse des Konzerns.

IT-Sicherheit

Die globale Absicherung der Daten und Informationen im Volkswagen Konzern ist eine zentrale, priorisierte Aufgabe der IT. Strategische Maßnahmen wurden auch im Geschäftsjahr 2025 mit dem Group-Information-Security-Programm fortgesetzt. Das Programm hat zum Ziel, konzernübergreifende, einheitliche Prozesse und Lösungen zur weiteren Verbesserung der Informationssicherheit zu schaffen. Die Arbeitsergebnisse und Lösungen werden innerhalb des Konzerns implementiert. Dabei stehen insbesondere Themen im Fokus, die perspektivisch Informationssicherheitsrisiken für den Konzern darstellen könnten und die im Rahmen der digitalen Transformationsstrategie des Unternehmens besonders abgesichert werden müssen. Inhalt und Ausrichtung des Programms werden jährlich auf Aktualität überprüft und im Bedarfsfall angepasst.

Der Volkswagen Konzern fordert die bestandene TISAX (Trusted Information Security Assessment Exchange)-Bewertung seiner Lieferanten ein und setzt damit ein Zeichen zur unternehmensübergreifenden Informations- und Datensicherheit. Wesentliche Prozesse der Informationssicherheit von Volkswagen sind ebenfalls TISAX zertifiziert. TISAX ist ein Zertifikat, dessen Bewertungsverfahren aus der internationalen Industrienorm und den Anforderungen der Automobilwelt vom deutschen Verband der Automobilindustrie abgeleitet wurde. Ziel ist eine sichere Verarbeitung sensibler Daten und Informationen bei unseren Lieferanten.

Aufgabe der Automotive Cyber Security ist die Verhinderung und Abwehr von Cyber-Angriffen auf unsere Fahrzeuge und auf das digitale Fahrzeug-Ökosystem, für welches die IT-Sicherheit zuständig ist. Basierend auf den gesetzlichen Anforderungen aus der UNECE-Regulierung 155 (UNECE R 155) haben wir eine Konzernrichtlinie implementiert sowie eine markenspezifische Organisationsrichtlinie unter Berücksichtigung der organisatorischen Gegebenheiten abgeleitet.

Um Daten unserer Kundinnen und Kunden gegen Cyber-Angriffe zu schützen und die Rechtskonformität unserer Lösungen in Bezug auf nationale und internationale Vorschriften umzusetzen, etablierten wir integrierte marken- und regionsübergreifende Managementsysteme für Informations- und Cyber-Sicherheit. Das durch die UNECE R 155 geforderte Cyber-Security-Managementsystem wurde erstmalig im Jahr 2021 und seitdem anhand jährlicher Überwachungs-Audits und durch die Re-Zertifizierung 2025 vom KBA bestätigt.

Wichtige zentrale Prozesse der Informationssicherheit wurden auf Basis der internationalen Norm ISO 27001 auditiert und zertifiziert. Sie ist die wichtigste branchenübergreifende Norm für Informationssicherheit und unsere Grundlage zum Aufbau eines angemessenen Informationssicherheitsmanagementsystems für alle schützenswerten Informationen des Unternehmens. Dieses System wird sukzessive erweitert, jährlich überprüft und in geforderten Abständen rezertifiziert.

Mit Einführung des Datenschutzmanagementsystems und der Datenschutzmanagementorganisation wurden in den vergangenen Jahren die Infrastruktur für die Umsetzung und die nachhaltige Einhaltung datenschutzrechtlicher Anforderungen in der Volkswagen AG etabliert. Die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung der Geschäftsprozesse, neue Gesetzgebungsinitiativen mit Datenschutzrelevanz sowie die starke Erhöhung der Regelungsdichte internationaler Datenschutzgesetzgebung erfordern weiterhin eine hohe Aufmerksamkeit, um eine nachhaltige Einhaltung der Datenschutzanforderungen sicherstellen zu können. Die kontinuierliche Sensibilisierung der Beschäftigten sowie die weitere Automatisierung der Prozesse, zum Beispiel durch den Einsatz künstlicher Intelligenz, stehen dabei im Fokus.