Politische Interessenvertretung und Lobbytätigkeiten
Wesentliche Auswirkung und RIsiko und ihr Zusammenspiel mit der Strategie und dem Geschäftsmodell
|
|
Chance |
|
Positive Auswirkung |
|
Tatsächliche Auswirkung |
|
Vorgelagerte Wertschöpfungskette |
|
Kurzfristiger Zeithorizont |
|||||||||
|
|
Risiko |
|
Negative Auswirkung |
|
Potentielle Auswirkung |
|
Eigener Geschäftsbereich |
|
Mittelfristiger Zeithorizont |
|||||||||
|
|
Nachgelagerte Wertschöpfungskette |
|
Langfristiger Zeithorizont |
|||||||||||||||
Zusammenspiel mit Strategie und Geschäftsmodell
Die im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse identifizierte positive Auswirkung sowie das Risiko wirken sich auf das Geschäftsmodell, die Strategie und die Wertschöpfungskette des Konzerns aus. Der Volkswagen Konzern fördert den Einfluss der wesentlichen positiven Auswirkung und reagiert auf den Einfluss des wesentlichen Risikos auf sein Geschäftsmodell, seine Strategie und Wertschöpfungskette über verschiedene Maßnahmen im Bereich der politischen Interessenvertretung. Neben der One-Voice-Policy und politischem Lobbying erfolgen zum Beispiel strategische Risikobewertungen und daraus abgeleitete strategische Vorausschauen mit Handlungsempfehlungen.
Strategische Unternehmensentscheidungen können sich auf die Möglichkeiten der politischen Interessenvertretung auswirken. Der Volkswagen Konzern vertritt weltweit seine Interessen, was im Rahmen von politischen Entscheidungen gehört wird und somit wiederum Einfluss auf das Geschäftsmodell und die Wertschöpfungskette hat.
Außerdem werden das Geschäftsmodell des Volkswagen Konzerns und die Wertschöpfungskette inhärent vom strukturellen Wandel und geopolitischen Entwicklungen beeinflusst.
Managementkonzepte: Politische Interessenvertretung und Lobbytätigkeiten
Als Teil der Gesellschaft kann der Volkswagen Konzern im Rahmen der politischen Interessenvertretung – dem Lobbying – die Positionen des Unternehmens gezielt in Entscheidungsprozesse einbringen, zum Beispiel bei Gesetzgebungsvorhaben. Lobbying wird zentral und entsprechend den Grundsätzen der Offenheit, Nachvollziehbarkeit und Verantwortlichkeit betrieben. Die Neutralität im Umgang mit politischen Parteien und Interessengruppen ist für den Volkswagen Konzern selbstverständlich. Unlautere Einflussnahme auf Politik und Gesetzgebung steht im Widerspruch zum Code of Conduct des Volkswagen Konzerns und wird nicht geduldet.
Politische Interessenvertretung wird unter anderem in der internen Konzernrichtlinie Public Affairs sowie den öffentlich zugänglichen Grundsätzen und Leitlinien für Public Affairs festgehalten. Die Richtlinie richtet sich an die Marken und Gesellschaften des Volkswagen Konzerns und deren Politikbeauftragten. Die Vorgaben der Konzernrichtlinie bedürfen der Umsetzung in eigene Regelungen der jeweiligen Gesellschaft. Die Prozessverantwortung für eine One-Voice-Policy im Rahmen der Konzernrichtlinie Public Affairs liegt im Bereich Konzern Außenbeziehungen, insbesondere bei der Leitung für Public Affairs. Die Leitung informiert regelmäßig den Vorstand über den Status und die Botschaften der politischen Interessenvertretung im Konzern. In ihrer direkt berichtenden Funktion zum Vorsitzenden des Vorstands kann sie Themen bei Bedarf bis in den Vorstand mit dem Ziel einer Positionsfestlegung eskalieren.
Ziel der One-Voice-Policy ist es, eine einheitliche, abgestimmte und verbindliche Position für konzernrelevante politische Fragestellungen festzulegen. Diese wird weltweit mit konsistenten Botschaften von Konzern, Marken und Gesellschaften an die jeweiligen Adressaten kommuniziert. Dadurch werden die Interessen des Konzerns mit den gleichen, intern abgestimmten Inhalten, Zielen und Aussagen vertreten. Die Konzernrichtlinie soll eine transparente politische Interessenvertretung in den Entscheidungsprozessen der Politik sicherstellen. Die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen und die Einbeziehung weiterer externer Stakeholder-Erwartungen werden mit der Richtlinie an alle kontrollierten Gesellschaften kommuniziert. Auf diese Weise sollen finanzielle und rechtliche Risiken sowie Vertrauensverlust und Reputationsrisiken vermieden werden. Zudem soll ein möglicher Ausschluss von öffentlichen Aufträgen aufgrund von strengen Vorschriften und/oder Nichteinhaltung politischer Verpflichtungen minimiert oder verhindert werden.
Im Umgang mit Amts- und Mandatsträgern gelten national und international strenge Regelungen zur Verhinderung von Korruption. Die internen Zuwendungsrichtlinien berücksichtigen dies umfassend.
Der Volkswagen Konzern vergibt als Akteur im gesellschaftlichen Umfeld Spenden und Sponsorengelder für gesellschaftliche Zwecke. Spenden sind freiwillige Zuwendungen ohne Gegenleistung, während Sponsorengelder auf einer vertraglich vereinbarten Gegenleistung basieren. Zur Vermeidung von Interessenkonflikten und zur Gewährleistung eines einheitlichen Verhaltens innerhalb des Unternehmens sind Spenden und Sponsoringmaßnahmen nur im Rahmen der jeweiligen Rechtsordnung und in Übereinstimmung mit den aktuellen internen Bestimmungen zulässig. Diese Maßnahmen werden im Volkswagen Konzern ausschließlich im Rahmen eines Genehmigungsprozesses gewährt.
Außerdem unterstützt der Volkswagen Konzern mit Geld- und Sachspenden wissenschaftliche, gemeinnützige und kulturelle Zwecke. Darüber hinaus werden Spenden nur an Einrichtungen vergeben, die als gemeinnützig anerkannt oder durch besondere Regelungen zur Spendenannahme befugt sind.
Der Volkswagen Konzern strebt nachhaltige, umwelt- und ressourcenschonende Produkte sowie Produktionsanlagen an. Daher setzt sich der Konzern für ambitionierte, gleichzeitig wirtschaftlich realisierbare Umwelt- und Klimaziele ein. Hierfür sind praktikable Vorgaben in verschiedenen Themenfeldern erforderlich.
Die aktuellen Fokusthemen des Volkswagen Konzerns sind folgende:
- Förderung E-Mobilität
Für den Volkswagen Konzern ist die Förderung der E-Mobilität wesentlich zur Erreichung der Klimaziele. Hierfür bedarf es aus Sicht des Konzerns vor allem einer gut ausgebauten Ladeinfrastruktur. Dieser Ausbau muss zügig und verbindlich vorangetrieben werden.
Der Volkswagen Konzern hält für die Stärkung der Marktakzeptanz von Elektrofahrzeugen Förderinstrumente in frühen Phasen des Hochlaufs für ein wichtiges Element für einen Erfolg der E-Mobilität.
Darüber hinaus sollten zur Dekarbonisierung des Transportsektors und speziell des Fahrzeugbestands alternative und CO2-ärmere Kraftstoffe weiterentwickelt und eingesetzt werden. - Regulierungen zu Batterien
Infolge der strategischen Ausrichtung sind batteriespezifische Regulierungen für den Volkswagen Konzerns von wesentlicher Bedeutung. Dies gilt zum Beispiel für die Systematiken und Methodiken zur Bestimmung des CO2-Fußabdrucks einer Batterie, die flexibel und fair ausgestaltet sein sollten. - Regulierung zu CO2-Flotten-Gesetzgebung
Der Volkswagen Konzern steht grundsätzlich zum 100 %-Dekarbonisierungsziel für den Verkehrssektor. Die Elektromobilität ist für uns die technische Lösung der Zukunft. Gleichzeitig sehen wir vor dem Hintergrund der heutigen Marktrealität die Notwendigkeit, auf dem Weg zur Dekarbonisierung die CO2-Gesetzgebung flexibler zu gestalten und realistische Zeiträume für die Umsetzung anzunehmen. Die derzeitige Regulierung wurde zu einer Zeit entwickelt, als die Prognosen der Elektrifizierung deutlich optimistischer waren, als es die heutige Marktrealität zeigt – trotz aller Anstrengungen der Autoindustrie und eines drastisch gestiegenen Angebots an Elektrofahrzeugen. - Regelbasierter Handel
Der Volkswagen Konzern ist ein global agierendes Unternehmen, das für einen fairen, regelbasierten internationalen Handel steht. Für die Automobilindustrie mit ihren global vernetzten Lieferketten ist ein verbindliches regulatorisches Umfeld notwendig, damit die Schaffung von wettbewerbsfähigen Strukturen in der Transformation unterstützt und Planbarkeit gewährleistet werden kann. Europäische Produktion und strategisch wichtige Produkte müssen durch die Verbesserung europäischer Standortbedingungen langfristig gestärkt werden. Der Abschluss von bereits verhandelten als auch neuen Handelsabkommen sowie Partnerschaften in strategischen Bereichen können hierbei unter anderem helfen, Handelsbarrieren und Wettbewerbsverzerrungen zu minimieren und Verlässlichkeit zu schaffen. Dies wird vom Volkswagen Konzern befürwortet. - Cybersicherheit, Daten und Digitalisierung
Cybersicherheit, Digitalisierung und KI sind prägende Themen der Automobilindustrie dieser Zeit. Der Volkswagen Konzern unterstützt einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten jeder Art und nutzt den Datenzugang zu Fahrzeugdaten als Basis für neue Wertschöpfung auf Grundlage der bestehenden Gesetze. - Automatisiertes Fahren
Das automatisierte Fahren soll integraler Bestandteil der Entwicklung der Mobilität von morgen werden. Um hier die Entwicklung voranzutreiben, müssen aus Sicht des Volkswagen Konzerns vor allem einheitliche Regelungen geschaffen und Restriktionen abgebaut werden. - Klimapolitik und Emissionen
Der Volkswagen Konzern setzt auf nachhaltige, umwelt- und ressourcenschonende Produkte und Produktionsanlagen. Der Konzern setzt sich daher für ambitionierte, aber wirtschaftlich umsetzbare Umwelt- und Klimaziele ein. Hierzu bedarf es aus Konzernsicht unter anderem praktikabler Vorgaben in diversen Themenfeldern, zum Beispiel Rezyklatquoten und End-of-Life-Regelungen. - Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie
Der Volkswagen Konzern setzt sich für eine wirtschaftliche Stärkung und Entbürokratisierung des Automobilsektors in der EU ein. Innovationen sollten nicht nur gefördert, sondern auch industriell skaliert werden. Dies gilt insbesondere für die Batteriezellfertigung, die mit einer Output-basierten Förderung in diesem Prozess unterstützt werden sollte. Preisgünstigere Energie muss der Industrie zur Verfügung stehen. Es ist wichtig, die Bezugsquellen für Rohstoffe zu diversifizieren und Partnerschaften mit Drittländern einzugehen. Darüber hinaus dürfen Vorschriften oder bürokratische Verpflichtungen europäische Unternehmen nicht benachteiligen.
Die Volkswagen AG (R001681), Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG (R001768), TRATON SE (R001565), VW Financial Services AG (R001704), PowerCo SE (R006923), AUDI AG (R001702), MAN Truck & Bus SE (R001638), Cariad SE (R006271), MOIA GmbH (R000349), Everllence SE (R001653), Volkswagen Group Charging GmbH (R001890) sind im Lobbyregister des Deutschen Bundestages registriert.
Die Volkswagen Aktiengesellschaft (REG-Nummer: 6504541970-40), Scania AB (publ) (REG-Nummer: 3305029916-47), Everllence SE (REG-Nummer: 101247832736-33) und MAN Truck & Bus SE (REG-Nummer: 06093891220-52) sind im europäischen Transparenzregister registriert. Das Land Niedersachsen hat Herrn Ministerpräsident Olaf Lies am 20. Mai 2025 in den Aufsichtsrat der Volkswagen AG entsandt. Herr Ministerpräsident Lies war vor seiner Entsendung seit November 2022 Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung. Neben Herrn Ministerpräsident Lies wurden keine weiteren Personen zu Mitgliedern des Aufsichtsrats bestellt, die in den letzten beiden Jahren vor dieser Ernennung im Geschäftsjahr 2025 eine vergleichbare Position in der öffentlichen Verwaltung (einschließlich Regulierungsbehörden) innehatten.
Maßnahmen: Politische Interessenvertretung und Lobbytätigkeiten
Der Volkswagen Konzern hat verschiedene Maßnahmen eingeführt, die auch zukünftig ausgeführt werden. Diese dienen der Steuerung und Herstellung der Konsistenz in der politischen Interessenvertretung des Konzerns.
Politische Interessenvertretung
Um auf die Strategie des Volkswagen Konzerns einzuzahlen, wirkt der Bereich der Public Affairs auf die politischen Rahmenbedingungen ein. Die aktive Interessenvertretung wird vor allem mit den regelmäßigen Maßnahmen der Verbandsarbeit und Kontakten zu Politik durch die Zentrale oder über Außenbüros unterstützt. Das Ziel des Bereichs ist eine weltweit einheitliche Steuerung und Konsistenz der politischen Interessenvertretung des Konzerns nach außen.
Risikobewertung und strategische Vorausschau
Im Rahmen der Risikobewertung identifiziert und bewertet der Volkswagen Konzern kontinuierlich relevante politische Entwicklungen und regulatorische Maßnahmen. Dabei werden Handlungsempfehlungen für die Konzernleitung abgeleitet, wobei ein Netzwerk aus Politikverantwortlichen, externen Partnern, Verbänden, Themenverantwortlichen und Prioritätsmärkten einbezogen wird.
One Voice Policy
Die One Voice Policy des Volkswagen Konzerns wird organisiert über Group & Brand Guidelines, Lobby Guidelines, Informations- und Abstimmungskaskaden (Group Calls, regelmäßige Telefonkonferenzen und Abstimmungsformate). Dies erfolgt unter Berücksichtigung regulatorischer Anforderungen, wie zum Beispiel dem Lobbyregister des Deutschen Bundestages oder EU-Regulierungen wie der CSRD oder der EU Foreign Subsidies Regulation. Darüber hinaus werden Anforderungen aufgrund von ESG-Ratings oder aus anderen Vorgängen einbezogen.
Für Konzernrichtlinien gilt im Unternehmen die Zielvorgabe für alle kontrollierten Gesellschaften, diese innerhalb eines festgelegten Zeitraums umzusetzen. Sollte eine Gesellschaft nicht in der Lage sein, die Richtlinie umzusetzen, ist sie verpflichtet, darüber Bericht zu erstatten.
Ziele: Politische Interessenvertretung und Lobbytätigkeiten
Ziele werden grundsätzlich vom Volkswagen Konzern dort entwickelt, wo ein Bezug zu seinen Strategien besteht. In Bezug auf politische Interessenvertretung und Lobbytätigkeiten sind keine messbaren ergebnisorientierten Ziele im Sinne der ESRS festgelegt. Die Effektivität der Managementkonzepte und Maßnahmen in Bezug auf die im Rahmen der im Berichtsjahr durchgeführten Wesentlichkeitsanalyse identifizierte positive Auswirkung und des Risikos wird aktuell nicht nachverfolgt.
Die Zielsetzungen im Bereich Public Affairs sind geprägt durch konzerninterne Steuerungsaufgaben und unterstützende Aktivitäten für den Konzern. Die Steuerung und Konsistenz der politischen Interessenvertretung im Konzern sind entscheidend, um eine einheitliche und strategische Kommunikation Richtung Politik und Nichtregierungsorganisation (NGOs) zu gewährleisten. Dabei ist es selbstverständlich, dass die Erfüllung aller gesetzlichen Anforderungen sichergestellt wird. Darüber hinaus wird in besonderen Fällen eine operative Unterstützung aller Konzernteile bei behördlichen Vorgängen angeboten, um eine zielgerichtete und effiziente Abwicklung sicherzustellen.
Metriken: Politische Interessenvertretung und Lobbytätigkeiten
Die Summe der politischen Zuwendungen setzt sich zusammen aus den direkt und indirekt vom Unternehmen getätigten finanziellen Zuwendungen sowie dem monetären Wert der geleisteten Sachleistungen. Direkte Zuwendungen sind solche, die politischen Parteien, ihren gewählten Vertretenden oder Personen, die ein politisches Amt anstreben, direkt zur Verfügung gestellt werden. Bei indirekten Zuwendungen handelt es sich um Zuwendungen an beispielsweise Lobbyisten oder Verbände, die mit bestimmten politischen Parteien oder Anliegen verbunden sind oder diese unterstützen. Die Summe der politischen Zuwendungen wurde nicht nach Regionen aufgeschlüsselt, da diese außer in den USA nicht gewährt wurden. Die in diesem Bericht enthaltenen Zahlen sind aufgrund der spezifischen Definitionen in den ESRS abweichend von Eintragungen in den Lobbyregistern. In diesem Bericht sind daher nicht alle Zahlen aus Eintragungen in Lobbyregistern enthalten.
Der Wert der direkt und indirekt getätigten finanziellen politischen Zuwendungen und Sachleistungen der vollkonsolidierten Gesellschaften belief sich im Jahr 2025 auf 185 (92) Tsd. €.