Geschäftsbericht 2025

Betroffene Gemeinschaften

Der Volkswagen Konzern hat eine große Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, der Umwelt und seinen Partnern. Wir berücksichtigen dabei auch die Gemeinschaften, die direkt oder indirekt von den Aktivitäten des Konzerns betroffen sein können. Ihr Schutz und ihre Einbindung sind zentrale Bestandteile einer verantwortungsvollen und nachhaltigen Unternehmensführung.

WESENTLICHE AUSWIRKUNG UND IHR ZUSAMMENSPIEL MIT DER STRATEGIE UND DEM GESCHÄFTSMODELL

AUSWIRKUNG AUF BETROFFENE GEMEINSCHAFTEN

Beschreibung Auswirkung/Risiko/ Chance Tatsächliche/ potentielle Auswirkung Wert­schöpfungs­kette Zeit­horizont

Ökonomische, soziale und kulturelle Rechte von Gemeinschaften

Diese Auswirkung kann sich in Einzelfällen durch die Verletzung ökonomischer, sozialer und kultureller Rechte von Gemeinschaften, etwa durch Umweltverschmutzung, Wasserknappheit, Biodiversitätsverlust, unsichere Lebensbedingungen, Zwangs- und Kinderarbeit, sowie durch die Einschränkung oder Verletzung der Rechte indigener und lokaler Bevölkerungsgruppen ergeben. Diese Auswirkung betrifft insbesondere rohstoffreiche Regionen entlang der Lieferkette.

Chance

Positive Auswirkung

Tatsächliche Auswirkung

Vorgelagerte Wertschöpfungskette

Kurzfristiger Zeithorizont
(< 1 Jahr)

Risiko

Negative Auswirkung

Potentielle Auswirkung

Eigener Geschäftsbereich

Mittelfristiger Zeithorizont
(1–5 Jahre)

Nachgelagerte Wertschöpfungskette

Langfristiger Zeithorizont
(> 5 Jahre)

Im Berichtsjahr wurde erstmals im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse eine negative Auswirkung entlang der Lieferkette betreffend die ökonomischen, sozialen und kulturellen Rechte von Gemeinschaften identifiziert. Der Volkswagen Konzern nimmt die Verantwortung wahr, Auswirkungen auf betroffene Gemeinschaften in rohstoffbezogenen Lieferketten zu identifizieren und ihnen – je nach Charakter der Auswirkung – mit geeigneten Maßnahmen zu begegnen oder positive Entwicklungen zu fördern.

Das Zusammenspiel von Strategie und Geschäftsmodell, dem Managementkonzept (Responsible Supply Chain System – ReSC-System) sowie den Maßnahmen und Verfahren bildet einen strukturierten Rahmen zur Steuerung der in diesem Kapitel identifizierten Maßnahmen im Kontext der Auswirkungen auf betroffene Gemeinschaften in rohstoffbezogenen Lieferketten. Die Steuerungsmöglichkeiten variieren je nach Einflussbereich innerhalb der Lieferkette und sind teilweise durch begrenzten Zugriff auf vorgelagerte Stufen eingeschränkt. Dennoch dienen die genannten Elemente als Grundlage für die risikoorientierte Bearbeitung der relevanten Auswirkung dieses Kapitels.

Über das ReSC-System werden Anforderungen an Geschäftspartner formuliert, die unter anderem den Schutz betroffener Gemeinschaften adressieren. Der Code of Conduct für Geschäftspartner enthält verbindliche Vorgaben wie das Verbot von Zwangsräumungen, die Achtung menschenwürdiger Lebensbedingungen sowie die Berücksichtigung der Rechte indigener Völker. Diese Anforderungen sind Bestandteil der vertraglichen Grundlage mit unseren Lieferanten und werden im Rahmen des ReSC-Systems systematisch abgefragt und bewertet.

Ergänzend dazu verweist die Responsible Raw Material Policy auf das Recht indigener Gemeinschaften auf freie, vorherige und informierte Zustimmung (Free, Prior and Informed Consent – FPIC) bei Aktivitäten mit potenziellen Auswirkungen auf ihre Rechte sowie auf die Einbindung indigener Gruppen in Stakeholder-Prozesse. Die Policy dient als strategischer Orientierungsrahmen für den Umgang mit menschenrechtlichen Risiken in Rohstofflieferketten.

Weitere Elemente wie die Risikoanalyse, der Supply Chain Grievance Mechanism (SCGM), das Human Rights Focus System (HRFS) und das Raw Materials Due Diligence System (RMDDMS) tragen zur Identifikation, Bewertung und Bearbeitung menschenrechtlicher Aspekte bei, die Gemeinschaften betreffen können. Diese Systeme ermöglichen unter anderem die Erfassung von Vorfällen, die Durchführung von Bewertungen sowie die Ableitung von Maßnahmen in Bezug auf menschenrechtliche Aspekte in der Lieferkette.

Die genannten Instrumente wirken komplementär und adressieren die in diesem Kapitel beschriebene Auswirkung auf betroffene Gemeinschaften. Zur Vermeidung von inhaltlichen Wiederholungen wird auf die detaillierte Beschreibung der Maßnahmen im Kapitel „Nachhaltigkeit in der Lieferkette“ verwiesen. Die im Folgenden dargestellte Perspektive ergänzt die dort beschriebene um die spezifische Relevanz der identifizierten negativen Auswirkung auf betroffene Gemeinschaften sowie die Einbindung relevanter Stakeholdergruppen, insbesondere indigener Gemeinschaften und lokaler Akteure. Der Fokus liegt weiterhin auf der Einhaltung von Nachhaltigkeitsanforderungen durch Lieferanten. In einzelnen Projekten mit Bezug zu kritischen Rohstoffen wurden jedoch ergänzende Ansätze zur Einbindung betroffener Gemeinschaften umgesetzt. Diese Projekte zielen darauf ab, menschenrechtliche und ökologische Risiken in rohstoffproduzierenden Regionen zu adressieren und lokale Akteure – darunter indigene Gemeinschaften – in Dialogformate und Maßnahmenentwicklung einzubeziehen. Die Ergebnisse dieser Einbindung fließen in die Weiterentwicklung projektbezogener Maßnahmen ein.

Ziele werden grundsätzlich vom Volkswagen Konzern dort entwickelt, wo ein Bezug zu seinen Strategien besteht. In Bezug auf ökonomische, soziale und kulturelle Rechte von Gemeinschaften sind keine messbaren ergebnisorientierten Ziele im Sinne der Anforderungen der ESRS festgelegt.

Im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse wurden insbesondere Gemeinschaften in rohstoffproduzierenden Regionen als betroffen identifiziert. Die Analyse basiert auf dem Raw Materials Due Diligence Management System (RMDDMS), welches sich auf menschenrechtliche und ökologische Risiken im Zusammenhang mit kritischen Rohstoffen konzentriert. Der Schwerpunkt liegt daher auf der vorgelagerten Wertschöpfungskette, insbesondere auf Gemeinschaften, die durch Aktivitäten von Lieferanten oder Subunternehmern in Abbau- und Produktionsregionen beeinflusst werden. Darüber hinaus wurden folgende Typen von Gemeinschaften berücksichtigt:

  • Gemeinschaften entlang der vorgelagerten Lieferkette, zum Beispiel in Bergbauregionen in Chile, Südafrika, Indonesien, Indien und Madagaskar.
  • Gemeinschaften an den Endpunkten der Wertschöpfungskette, etwa in Regionen des Rohstoffabbaus oder der Entsorgung, die durch Umweltbelastungen oder soziale Auswirkungen betroffen sein können.
  • Indigene Gemeinschaften, deren Rechte und Lebensgrundlagen durch Landnutzung, Wasserverbrauch oder andere Eingriffe beeinträchtigt werden können.
  • Lokale Gemeinschaften, die durch Infrastruktur, Beschäftigung, soziale Programme oder Dialogformate in ihrer Lebensrealität beeinflusst werden können.

Diese Gemeinschaften sind nicht Teil der eigenen Geschäftstätigkeit des Volkswagen Konzerns, durch Geschäftsbeziehungen und die vorgelagerte Lieferkette allerdings mittelbar betroffen.

Das Hinweisgebersystem dient als zentrales Beschwerdeverfahren für den Volkswagen Konzern. Die Koordination erfolgt durch das Zentrale Aufklärungs-Office in Wolfsburg. Grundsätze, Meldekanäle und Verfahren sind im Kapitel „Informationen zur Unternehmensführung“ im Abschnitt „Schutz von Hinweisgebenden“ ausführlich beschrieben.

Im Berichtsjahr gab es keine Verletzungen gegen menschenrechtliche Schutzgüter gemäß dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, die betroffene Gemeinschaften in der vor- und nachgelagerten Lieferkette betrafen. Damit liegen auch keine Fälle vor, die als schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen gemäß ESRS S3 zu bewerten sind, da sich das LkSG an den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, an der Erklärung der ILO über grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit sowie an den OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen orientiert.

Zur Stärkung der Rechte und der Verbesserung der Lebensbedingungen betroffener Gemeinschaften engagiert sich der Volkswagen Konzern in lokalen und internationalen Initiativen.

Die Durchführung von Projekten in rohstoffproduzierenden Regionen zielt darauf ab, menschenrechtliche und ökologische negative Auswirkungen zu adressieren und die Lebensbedingungen der betroffenen Gemeinschaften zu verbessern. Durch gezielte Maßnahmen sollen negative Auswirkungen gemindert, strukturelle Herausforderungen angegangen und lokale Akteure in ihrer Handlungsfähigkeit gestärkt werden.

Die Einbindung betroffener Gemeinschaften erfolgt über Multi-Stakeholder-Plattformen, lokale Partnerschaften und Dialogformate. Dabei werden insbesondere die Perspektiven indigener Gruppen, zivilgesellschaftlicher Organisationen und lokaler Behörden berücksichtigt. Die Ergebnisse dieser Einbindung – insbesondere aus den im Folgenden beschriebenen Projekten – fließen in die Weiterentwicklung der jeweiligen Projektmaßnahmen und Themenfelder ein. Ein Bezug zum unternehmensinternen Due-Diligence-Prozess, etwa im Rahmen des ReSC-Systems, besteht punktuell, erfolgt jedoch nicht systematisch. Die Einbindung betroffener Gemeinschaften erfolgt im Rahmen des ReSC-Systems. Die operative Verantwortung liegt bei der Konzern Beschaffung Nachhaltigkeit der Volkswagen AG. Die strategische Steuerung ist im ReSC-System verankert und wird durch die übergeordnete Governance-Struktur des Konzerns begleitet. In einzelnen Projekten werden Rückmeldungen aus Dialogformaten dokumentiert und fließen in die Weiterentwicklung der Maßnahmen ein.

In den beschriebenen Projekten werden – soweit möglich – auch Perspektiven von vulnerablen Gruppen berücksichtigt, etwa durch die Einbindung lokaler Nichtregierungsorganisationen (NGOs) oder zivilgesellschaftlicher Organisationen. Die Berücksichtigung spezifischer Gruppen wie indigener Gemeinschaften ist in den Projektbeschreibungen enthalten. Eine systematische Erfassung der Perspektiven einzelner Gruppen innerhalb der Gemeinschaften (zum Beispiel Frauen und Mädchen) erfolgt derzeit nicht flächendeckend.

Im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse wurde eine wesentliche negative Auswirkung auf betroffene Gemeinschaften in rohstoffproduzierenden Regionen identifiziert. Diese betreffen insbesondere ökologische und soziale Aspekte, die durch Aktivitäten in der vorgelagerten Lieferkette entstehen können – etwa durch Wasserverbrauch, Landnutzung oder Lebensbedingungen in Abbaugebieten. Auch wenn keine direkte Geschäftsbeziehung zu einzelnen Minen besteht, wurden die nachfolgenden Regionen aufgrund ihrer strukturellen Risikolage und ihrer Bedeutung für kritische Rohstoffe als besonders relevant eingestuft. Die dort ansässigen Gemeinschaften – darunter indigene Gruppen und lokal betroffene Bevölkerungen – stehen im Mittelpunkt der jeweiligen Projektmaßnahmen, die darauf abzielen, negative Auswirkungen zu adressieren, lokale Akteure zu stärken und menschenrechtliche sowie ökologische Herausforderungen im Umfeld der Rohstoffgewinnung zu bearbeiten. Insbesondere folgende Projekte des Volkswagen Konzerns zahlen darauf ein:

Responsible Lithium Partnership (Chile)

Im Rahmen des Multi-Stakeholder-Projekts „Responsible Lithium Partnership“ engagierte sich der Volkswagen Konzern für eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung im Salar de Atacama – einer Region mit empfindlichem Ökosystem und Wasserknappheit. Ziel war es, durch Dialog und gemeinsame Maßnahmen Konflikte über Wasserressourcen zu vermeiden und die Rechte der lokalen Bevölkerung zu stärken. Die Einbindung relevanter Stakeholder – darunter indigene Gemeinschaften, lokale Zivilgesellschaft, NGOs, Wissenschaft, Unternehmen, Behörden und Bergbauunternehmen – erfolgte systematisch über die von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) koordinierte Plattform Mesa Multiactor. Seit 2021 ermöglichte diese den kontinuierlichen Dialog zwischen 22 lokalen Akteuren.

Die Region Salar de Atacama ist ein bedeutender Standort für die Gewinnung von Lithium – einem Rohstoff, der für die Elektromobilität von zentraler Bedeutung ist. Aufgrund der wasserintensiven Fördermethoden und der sensiblen ökologischen Bedingungen bestehen potenziell negative Auswirkungen für indigene Gemeinschaften, insbesondere im Hinblick auf den Zugang zu Wasserressourcen. Vor diesem Hintergrund wurde die Region im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse als besonders relevant eingestuft. Das Projekt zielt darauf ab, betroffene Gemeinschaften frühzeitig in Dialogprozesse einzubinden und gemeinsam mit lokalen Akteuren Lösungsansätze für identifizierte Herausforderungen zu entwickeln.

Zu Beginn des Berichtsjahres fand zudem eine internationale Stakeholder-Veranstaltung in Berlin statt, die den Austausch zwischen Projektpartnern und zivilgesellschaftlichen Organisationen förderte und Best Practices für die Umsetzung von Sorgfaltspflichten in der tiefen Lieferkette aufzeigte. Hier nahmen auch Vertretende der betroffenen Gemeinschaften aus Chile teil, sowohl als Diskutanten als auch Teilnehmende der Veranstaltung. Zu den umgesetzten Maßnahmen zählen ein Wasserkataster, hydrologische Kartierungen, Umweltbildungsinitiativen sowie ein Grauwasser-Recyclingsystem an einer lokalen Schule. Die Ergebnisse der Stakeholder-Einbindung flossen direkt in die rohstoffbezogene Risikoanalyse und Maßnahmenentwicklung im Rahmen des unternehmensinternen Due-Diligence-Prozesses im RMDDMS ein. Die Wirksamkeit wurde durch die GIZ evaluiert. Nach erfolgreicher Aufbauarbeit wurde das Projekt planmäßig in eine lokal verankerte Struktur überführt. Die lokalen Akteure zeigen ein hohes Maß an Engagement, und die initiierten Maßnahmen werden konsequent fortgeführt.

Aus Sicht von Volkswagen wurde das zentrale Ziel des Projekts – die Sicherung und Stärkung lokalen Engagements – erreicht. Das Projekt leistet damit weiterhin einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in der Region.

Marikana Coalition (Südafrika)

Der Volkswagen Konzern unterstützt über seine Marke Scania die Marikana Coalition, ein Bildungs- und Sozialprojekt in einer vom Platin-Group-Metals (PGM)-Bergbau geprägten Region Südafrikas. Die Region Marikana ist durch den Abbau von Platingruppenmetallen geprägt, die auch in globalen Lieferketten für Automobilanwendungen eine Rolle spielen. Die dort ansässigen Gemeinschaften sind in besonderem Maße von den sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Bergbaus betroffen. Das Projekt adressiert strukturelle Herausforderungen in einer Region, die mittelbar mit globalen Rohstoffströmen verbunden ist.

Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen in einer strukturell benachteiligten Bergbauregion Perspektiven jenseits des Bergbaus zu eröffnen. In einem ehemaligen Minengebäude wurde ein Jugendzentrum eingerichtet, das Bildungsangebote, Berufsberatung und soziale Unterstützung bietet. Das Zentrum wird von lokal geschultem Personal betrieben und dient als sicherer Ort für junge Menschen. Die Initiative trägt zur Stärkung der sozialen Infrastruktur und zur Förderung der Rechte von Gemeinschaften bei, die direkt von Bergbauaktivitäten betroffen sind. Das Projekt läuft zunächst bis zum Ende des Berichtsjahres, mit der Option einer Verlängerung. Gesteuert wird die Marikana Coalition von einem Steuerungskomitee, das vierteljährlich die Fortschritte und Ergebnisse überprüft.

Nickel-Projekt (Indonesien)

Als Gründungsmitglied eines lokalen Partnerschaftsprojekts engagiert sich der Volkswagen Konzern für die Verbesserung von Umwelt- und Sozialstandards im indonesischen Nickelsektor – insbesondere in Bergbauregionen in Halmahera. Die identifizierte Region ist bedeutend für die Nickelgewinnung, einem Rohstoff, der unter anderem in Batterien für Elektrofahrzeuge verwendet wird. Aufgrund der ökologischen Sensitivität und der sozialen Herausforderungen in den Abbau- und Verarbeitungsgebieten wurde die Region als prioritär für ein partnerschaftliches Engagement identifiziert. Die betroffenen Gemeinschaften stehen im Fokus der Maßnahmen, auch wenn keine direkte Lieferbeziehung zu einer bestimmten Mine besteht. Ziel ist es, Biodiversität zu schützen, Lebensbedingungen zu verbessern und die Wasserqualität in Bergbauregionen zu sichern.

Im Zuge der Projektvorbereitung wurde eine umfassende Studie durchgeführt, um zentrale ökologische und soziale Herausforderungen sowie potenzielle Interessenkonflikte zu identifizieren. Dabei wurdenNGOs eingebunden, um die Perspektiven der betroffenen Gemeinschaften angemessen zu berücksichtigen. Die Ergebnisse bildeten die Grundlage für die Projektabgrenzung und die Definition priorisierter Handlungsfelder. In Zusammenarbeit mit lokalen Stakeholdern, NGOs und Unternehmen sollen konkrete Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden, um ESG-Risiken zu adressieren. Ein zentrales Element ist die Einrichtung eines Stakeholder-Forums, das den kontinuierlichen Dialog mit lokalen Anspruchsgruppen sicherstellen soll. Ziel ist eine transparente und wirksame Einbindung relevanter Stakeholder.

Die Initiative ist Teil eines umfassenden Engagements zur Förderung verantwortungsvoller Rohstoffgewinnung und zur Stärkung der Rechte betroffener Gemeinschaften. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und läuft bis Ende 2028. Im Rahmen der Projektinitiierung wird derzeit ein Konzept zur Wirksamkeitsmessung entwickelt. Ziel ist es, die Effektivität der geplanten Maßnahmen und Initiativen hinsichtlich der angestrebten Verbesserungen für die betroffenen Gemeinschaften systematisch zu erfassen und zu bewerten. Die Ausarbeitung erfolgt in enger Abstimmung mit lokalen Partnern und NGOs, um sicherzustellen, dass relevante Indikatoren und Methoden die tatsächlichen Bedürfnisse und Perspektiven der Gemeinschaften widerspiegeln. Die Ergebnisse sollen künftig als Grundlage für die Bewertung der Projektergebnisse dienen.

Responsible Mica Initiative (Indien, Madagaskar)

In Mica-produzierenden Regionen wie Indien und Madagaskar sind strukturelle Herausforderungen wie Armut und ein erhöhtes Risiko für Kinderarbeit bekannt. Diese Kontexte gelten branchenübergreifend als besonders sensibel und wurden im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse als potenziell relevant für menschenrechtliche Risiken eingestuft. Vor dem Hintergrund, dass Mica ein eingesetzter Rohstoff im Konzern ist, verfolgt der Volkswagen Konzern einen vorsorgenden Ansatz und engagiert sich in der Responsible Mica Initiative (RMI), um zur Verbesserung der Situation vor Ort beizutragen. Die Initiative bindet lokale Gemeinschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen aktiv ein, um strukturelle Ursachen von Kinderarbeit zu adressieren. Dazu zählen Maßnahmen wie der Zugang zu Bildung, die Förderung alternativer Einkommensquellen für Eltern sowie die Anbindung an staatliche Unterstützungsprogramme. Die Aktivitäten zielen darauf ab, die Resilienz der lokalen Bevölkerung zu stärken und langfristige Entwicklungsperspektiven zu schaffen. Das Community Empowerment Program der RMI wurde im Jahr 2018 gestartet. Seit 2020 wird es im Rahmen der Mitgliedschaft von Porsche in der RMI finanziell unterstützt. Es handelt sich um ein langfristig angelegtes, kontinuierliches Projekt ohne derzeit geplantes Enddatum. Die aktuelle Projektphase läuft bis Dezember 2027. Nach einer kritischen Würdigung soll das Projekt, sofern notwendig mit Anpassungen, dann weitergeführt werden. Die aktuelle Strategieplanung der RMI erstreckt sich bis zum Jahr 2030.

Im Rahmen der Mitgliedschaft verfolgt der Volkswagen Konzern das Ziel, zur Verbesserung der Lebensbedingungen beim Abbau von Mica beizutragen. Der Konzern unterstützt die Initiative finanziell und strategisch und arbeitet industrieübergreifend an der Entwicklung von Maßnahmen sowie an der Standardisierung von Prozessen und Auditstandards mit. Eigene quantifizierte Zielgrößen wurden bislang nicht definiert; die Festlegung konkreter Ziele erfolgt durch die Initiative selbst. Die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG ist als Vertreterin des Konzerns aktiv in verschiedenen Arbeitsgruppen der RMI eingebunden und kann dadurch Einfluss auf die strategische Ausrichtung und Zielsetzung nehmen.

Zur Überprüfung der Wirksamkeit der unterstützten Maßnahmen nutzt der Volkswagen Konzern die regelmäßigen Impact Assessments, die durch die RMI beauftragt und öffentlich verfügbar sind. Das jüngste Assessment des Community Empowerment Program deckt den Zeitraum von 2021 bis 2024 ab. Die Ergebnisse fließen in die interne Bewertung menschenrechtlicher Risiken sowie in die Ableitung von Maßnahmen zur Verbesserung der Lieferkette ein.