Geschäftsbericht 2025

Interessen und Standpunkte der Stakeholder

Als international tätiges Unternehmen beeinflussen unsere Geschäftsaktivitäten das Leben vieler unterschiedlicher Menschen. Ein entsprechend ausgerichtetes Stakeholder-Engagement ist daher unerlässlich, um die wesentlichen Handlungsfelder der Konzernnachhaltigkeits­strategie zu bestimmen und die steigenden und sich verändernden Erwartungen der Stakeholder frühzeitig wahrzunehmen. Unter Stakeholder-Engagement versteht der Volkswagen Konzern die Verpflichtung, mit Interessens- und Anspruchsgruppen der Gesellschaft systematisch und kontinuierlich in den Austausch zu gehen, ihnen aktiv zuzuhören und ihren Input bei der Weiterentwicklung unserer Strategien zu berücksichtigen. Das Ziel ist ein offener, konstruktiver und auch kritischer Austausch mit den in der Grafik aufgeführten Stakeholder-Gruppen. Wir streben an, ihre Anforderungen und Erwartungen an uns zu verstehen, mit ihnen zentrale Themen der Konzernnachhaltigkeits­strategie regenerate+ zu diskutieren sowie deren Verknüpfung mit der Konzernstrategie und deren Umsetzung zu erörtern.

Stakeholder des Volkswagen Konzerns (Grafik)

Stakeholder sind definiert als Einzelpersonen, Gruppen oder Organisationen, die den Verlauf oder das Ergebnis von unternehmerischen Entscheidungen beeinflussen oder von ihnen beeinflusst werden. Der Volkswagen Konzern hat für sich zehn Gruppen als wichtigste Stakeholder-Gruppen identifiziert. Im Zentrum des Stakeholder-Netzwerks stehen die Beschäftigten sowie die Kundinnen und Kunden. Darüber hinaus wurden auf Basis einer kontinuierlichen Stakeholder-Analyse acht weitere Gruppen identifiziert. Ein stetiger Austausch zwischen internen und externen Stakeholder-Gruppen ist für den Volkswagen Konzern wichtig. Der Aufsichtsrat und der Betriebsrat fungieren in diesem Kontext nicht nur als Kontroll- und Beratungsgremien, sondern auch als Schnittstellen zwischen internen und externen Stakeholdern. Der Aufsichtsrat des Volkswagen Konzerns wird als Überwachungsorgan über die Standpunkte und Interessen der jeweils betroffenen Stakeholder in Bezug auf nachhaltigkeitsbezogene Auswirkungen im Rahmen der gesetzlichen und vom Aufsichtsrat festgelegten Berichtspflichten regelmäßig informiert. Er ist insbesondere in Entscheidungen mit grundlegender Bedeutung für das Unternehmen über Zustimmungsvorbehalte unmittelbar eingebunden. Er ist paritätisch besetzt, das heißt die Hälfte der Mitglieder sind Arbeitnehmervertreter. Interessen, Standpunkte und Rechte der eigenen Beschäftigten sind somit auf höchster Ebene im Konzern vertreten.

Der Volkswagen Konzern verfolgt das Ziel, die Interessen seiner Stakeholder systematisch in die strategische Ausrichtung und operative Umsetzung seiner Geschäftsaktivitäten zu integrieren. Dies erfolgt sowohl auf Marken- und Regionalebene als auch auf Konzernebene. Die Marken und Regionen verfügen über eigene Stakeholder-Engagement-Strategien, die unter anderem durch Kundenbefragungen, Marktforschungsinstrumente und weitere dialogorientierte Formate sicherstellen sollen, dass Produkte und Dienstleistungen den Erwartungen der Kundinnen und Kunden entsprechen.

Aufgabe des Volkswagen Konzerns ist es, die Aktivitäten in einem ganzheitlichen Rahmen zusammenzuführen und zu koordinieren. Dieser Rahmen umfasst:

  • das Stakeholder-Engagement auf Konzernebene mit spezifischen Formaten und dem Fokus auf konzernweit relevante Stakeholder;
  • die Beratung und Koordination der Marken und Regionen bei der Umsetzung ihrer Stakeholder-Engagement-Aktivitäten;
  • die Durchführung regelmäßiger Stakeholder-Analysen und -Befragungen.

Wesentliche Elemente des Stakeholder-Engagements werden durch die Stakeholder-Relationship-Strategie des Konzerns beschrieben, die nach ihrer Neuausrichtung im Jahr 2024 im aktuellen Berichtsjahr weiterentwickelt und fortgeführt wurde. Ziel dieser Strategie ist es, einen offenen und konstruktiven Austausch mit unseren Stakeholdern zu ermöglichen und deren Impulse systematisch in die Weiterentwicklung der Konzernstrategie einzubeziehen. Die Grundsätze der Stakeholder-Relationship-Strategie richten sich dabei übergeordnet an der Konzernstrategie aus. Zentrale Instrumente der Strategie sind regelmäßige Austauschformate, die sich an den jeweiligen Interessensgruppen orientieren, und jährliche Stakeholder-Foren zur strategischen Ausrichtung und Entwicklung des Konzerns sowie themenspezifische Dialogformate.

Darüber hinaus werden Stakeholder-Interessen zu nachhaltigkeitsrelevanten Themen von den jeweils verantwortlichen Fachbereichen auf Konzernebene berücksichtigt. Weiterführende Informationen finden sich in den relevanten Themenstandards, insbesondere in den Berichtskapiteln unter den Sozialinformationen.

Die Umsetzung der Konzernnachhaltig­keitsstrategie regenerate+ wurde auch im Jahr 2025 durch Stakeholder-Engagement-Formate begleitet. Ziel war es, alle relevanten Stakeholder-Gruppen über Status und Fortschritte bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie zu informieren und in den direkten Dialog zu treten. Die Beschäftigten konnten sich über den regenerate+ Fortschrittsbericht, Intranet-Artikel, Präsentationen sowie digitale Informationsveranstaltungen über den Fortschritt der Strategie informieren. Darüber hinaus bestand die Möglichkeit, über unterschiedliche Kommunikationswege Fragen zu stellen und Interessen zu bekunden.

Die Integration menschenrechtlicher Aspekte erfolgt über das Compliance Management System zur Einhaltung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten sowie über das Responsible Supply Chain System. Weiterführende Informationen befinden sich unter Sozialinformationen in den Kapiteln „Beschäftigte und Fremdarbeitskräfte“ sowie „Nachhaltigkeit in der Lieferkette“ und „Betroffene Gemeinschaften“. In den beiden letztgenannten Kapiteln wird darüber hinaus dargelegt, wie die Interessen und Standpunkte von Arbeitskräften in der Lieferkette sowie von betroffenen Gemeinschaften Berücksichtigung finden.

Gemäß den Anforderungen der ESRS wurde im Berichtsjahr erneut eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt. Eine detaillierte Beschreibung hierzu befindet sich unter dem Abschnitt „Vorgehensweise und Ergebnisse der doppelten Wesentlichkeitsanalyse“. Die daraus abgeleiteten Inhalte und Themen flossen routinemäßig in die Weiterentwicklung und Umsetzung der Konzernstrategie sowie in Dialogformate wie die Reputationsstudie ein. Letztere wurde zwischen 2017 und 2023 jährlich durchgeführt, um das Vertrauen externer Stakeholder in den Volkswagen Konzern zu ermitteln und in Form einer Kennzahl abbilden zu können. Vor dem Hintergrund sich wandelnder wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen wurde das inhaltliche Framework der Reputationsstudie in den Jahren 2024 und 2025 grundlegend überarbeitet und weiterentwickelt. Die Reputationskennzahl basiert dabei auf einem erweiterten theoretischen Ansatz, der die Dimensionen Vertrauen, Sympathie und Ansehen umfasst und die zentralen Treiber von Reputation systematisch abbildet. Der daraus ermittelte Global Reputation KPI leistet einen entscheidenden Beitrag zur Verankerung des Stakeholder-Engagements in der Konzernnachhaltig­keitsstrategie und wird neben weiteren Kennzahlen der regenerate+ gegenüber dem Vorstand und Aufsichtsrat berichtet.

Im Jahr 2025 wurde die Studie erstmals nicht nur in den Kernmärkten Deutschland, USA und China, sondern auch in weiteren europäischen und amerikanischen Ländern durchgeführt, um ein umfassendes und differenziertes Bild der Konzernreputation in strategisch wichtigen Regionen zu gewinnen. Neben Deutschland wurde die Befragung auch in Großbritannien, Italien, Frankreich, Spanien, Polen – zusammengefasst als Europa – sowie in Mexiko und Brasilien durchgeführt. Die Ergebnisse der aktuellen Erhebung zeigen für die einzelnen Regionen folgende Reputations-KPIs:

  • Deutschland 81 %
  • Europa (Großbritannien, Italien, Frankreich, Spanien, Polen) 86 %
  • USA 73 %
  • Mexiko 100 %
  • Brasilien 96 %
  • China 98 %

Der jeweilige Reputation KPI fasst zusammen, wie das Unternehmen in den Dimensionen Vertrauen, Sympathie und Ansehen bewertet wird. Für jede dieser Dimensionen wird ermittelt, welcher Anteil der Befragten eine positive Einschätzung abgibt. Diese drei Werte werden anschließend zu einem Durchschnittswert zusammengeführt. Der KPI zeigt somit, wie groß der Anteil der Befragten ist, der die Reputation des Unternehmens insgesamt positiv wahrnimmt. Der Global Reputation KPI entspricht dem arithmetischen Mittel der regionalen KPIs und liegt bei 89 %. Aufgrund der konzeptionellen und methodischen Weiterentwicklung der Befragung sind die aktuellen Werte nicht direkt mit den Ergebnissen aus den Vorjahren vergleichbar. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen jedoch, dass der Volkswagen Konzern in den befragten Märkten ein hohes Maß an Vertrauen, Ansehen und Sympathie genießt.

Ein zentrales Format unseres Stakeholder-Engagements ist das Volkswagen Group Sustainability Forum, das im Juni 2025 zum zweiten Mal stattfand. Ziel der Veranstaltung war es, einen offenen und konstruktiven Dialog zwischen externen Stakeholdern aus Industrie, Wissenschaft, NGOs sowie internen Vertretenden des Konzerns und der Marken zu ermöglichen. Im Fokus standen die gemeinsame Reflexion aktueller Herausforderungen, die Diskussion von Fortschritten und Erwartungen sowie die Erarbeitung konkreter Impulse für die Weiterentwicklung der Konzernnachhaltigkeitsstrategie.

Ein weiteres wesentliches Instrument des Stakeholder-Engagements ist der im Jahr 2024 neu ausgerichtete unabhängige Nachhaltigkeitsbeirat, der im Berichtsjahr 2025 seine Arbeit fortgesetzt und weiter konsolidiert hat. Der Beirat ist entlang der vier strategischen Dimensionen der Konzernnachhaltigkeits­strategie regenerate+ organisiert. Für jede Dimension wurde eine sogenannte Sustainability Practice Group eingerichtet, in der jeweils drei externe Expertinnen und Experten mit drei internen Beschäftigten aus dem Konzern zusammenarbeiten. Diese Gruppen bieten Raum für einen regelmäßigen, themenspezifischen Austausch auf Augenhöhe und ermöglichen eine kontinuierliche kritische Reflexion strategischer Zielsetzungen und Maßnahmen. Im Berichtsjahr 2025 haben die Practice Groups unter anderem Impulse zur Weiterentwicklung des konzernweiten KPI-Systems sowie zur Ausgestaltung themenspezifischer Roadmaps geliefert. Die Ergebnisse der Gruppenarbeit wurden in regelmäßigen Austauschformaten mit dem Konzernvorstand adressiert, um eine enge Verzahnung der Konzernnachhaltigkeits­strategie mit der Unternehmensführung sicherstellen zu können. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Practice Groups im Berichtsjahr lagen unter anderem in der Konsultation und Weiterentwicklung von strategischen Initiativen wie der Konzernstrategie, den Konzern-Megatrends sowie dem theoretischen Framework der Reputationsstudie.

Die zwölf externen Mitglieder des Beirats sind wie folgt auf die vier Dimensionen der regenerate+ verteilt:

NATUR

DR. FRAUKE FISCHER
Agentur Auf!
Universität Würzburg
Fachgebiet: Biodiversität
Regionaler Schwerpunkt: Deutschland; Afrika

REBECCA TAUER
WWF Deutschland
Fachgebiet: Kreislaufwirtschaft
Regionaler Schwerpunkt: Deutschland

DR. JULIAN ZUBER
GermanZero e.V.
Fachgebiet: Klimagesetzgebung
Regionaler Schwerpunkt: Deutschland

UNSERE BELEGSCHAFT

DR. JOEL HARTTER
Parallel Labs
University of Colorado
Fachgebiet: Menschenzentrierte Strategien
Regionaler Schwerpunkt: USA

CHRISTINA SCHILDMANN
Hans-Böckler-Stiftung
Fachgebiet: Arbeit der Zukunft
Regionaler Schwerpunkt: Deutschland

HANNAH ZOLLER
University of Labour
Fachgebiet: Betriebliche Weiterbildung
Regionaler Schwerpunkt: Deutschland

GESELLSCHAFT

ARON CRAMER
BSR
Fachgebiet: Unternehmerische Verantwortung
Regionaler Schwerpunkt: USA

DR. MAJA GÖPEL
Leuphana Universität
Mission Wertvoll
Fachgebiet: Systemische Transformation
Regionaler Schwerpunkt: Deutschland

MARCIN PIERSIAK
Alliance for Responsible Mining
Fachgebiet: Nachhaltige Beschaffung
Regionaler Schwerpunkt: Kolumbien; Europa; Afrika

BUSINESS

ROSALINE MAY LEE
Rensselaer Polytechnic Institute
Fachgebiet: Transformation & Innovation
Regionaler Schwerpunkt: USA; China

WILLIAM TODTS
Transport & Environment
Fachgebiet: Nachhaltige Mobilität
Regionaler Schwerpunkt: Belgien; Europa

JEAN-LOUIS WARNHOLZ
Future Inc.
Fachgebiet: Zukunftsstrategien; Finanztechnologie
Regionaler Schwerpunkt: USA